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Winter  Project Phoenix - Lucas Joas


Geschrieben von Markus Maier am 20.11.2015
Bild: Lukas Joas

Lukas Joas | Project Phoenix

Der steinige Weg zum Freeski-Profi

Lukas Joas geht 2015 in seine zweite Saison als professioneller Freeskier. Im letzen Winter hat der Oberstdorfer den Schritt gewagt, seinen Job als Schreiner an den Nagel zu hängen und sich als Teil des Nationalteams nur noch auf das Skifahren fokussiert. Eine risikoreiche Entscheidung, schließlich gibt es nur sehr wenige Freeskier, die von ihrer Leidenschaft leben können. Schweren Verletzungen und abgesprungenen Sponsoren zum Trotz behielt er sein Ziel im Auge. Und es hat sich gelohnt - Im Oktober wurde Lukas vom Magazin downdays.eu für die Wahl zum European Skier Of The Year nominiert. Wir haben uns mit ihm über seine Leidenschaft, die Allgäuer Szene und sein aktuelles Filmprojekt "Project Phoenix" unterhalten.

Servus Lukas. Wie war Dein Start in die Saison?

Saugut, ich war schon relativ viel beim Skifahren. Ich bin gerade von der Prime Park Session aus dem Stubaital gekommen, wo ich einen Monat mit dem Deutschen Nationalteam verbracht habe. Nun bin ich wieder im Allgäu und hoffe, dass der Winter hier bald beginnt und ich ein wenig Zeit daheim habe um hier Skifahren zu gehen.

Du bist mittlerweile Teil des Nationalteams. Wie kam es dazu und was hat sich dadurch für Dich verändert?

Ich habe, bevor ich mich letzte Saison entschieden habe alles professionell zu betreiben, als Schreiner gearbeitet und bin nur nebenzu zum Fahren gekommen. Ich wollte schon immer eine Pause vom Arbeiten nehmen um einen oder mehrere Winter nur Ski zu fahren. Da ich einen guten Draht zum Deutschen Team habe und auch schon jüngere Teams betreut habe, wollten sie mich schon immer im Nationalteam dabei haben. Darum war ich nach der Entscheidung sofort zu 100% im Nationalteam dabei. Ich reiße mit dem ganzen Team um die Welt, fahre auf sämtliche Camps und nehme auch an Weltcups teil. Ich glaube es hat sich für mich viel verändert, weil ich doch eher aus dem Filmbereich komme und jetzt auch viel im Contestgeschehen mit dabei bin.

Du bist also Freeski-Professional. Kann man davon leben?

Man kann es, ich aber absolut nicht. Ich habe letzte Saison alle meine Sponsoren verloren, die dir eigentlich ein Budget stellen, dass Du Dir die ganze Saison finanzieren kannst. Die Wintersportindustrie steht zur Zeit nicht sehr gut da, darum ist es sehr schwierig, einen guten Deal von einer Marke zu bekommen. Ich muss jeden Sommer richtig hart arbeiten, dass ich es mir leisten kann im Winter nur Ski zu fahren. Viele Leute denken, dass es ein recht einfache Sache sei und wir viel um die Welt reißen und nur Bier trinken. (lacht) Es hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Wenn du es wirklich professionell schaffen willst, musst du viel dafür tun.

Was sind für Dich die Highlights der kommenden Saison?

Ich werde natürlich viel mit dem Nationalteam unterwegs sein. Im Februar verbringen wir einen Monat in Amerika und ich werde wieder einen Weltcup fahren. Das Highlight für mich ist aber definitiv, dass ich wieder eine Saison nur Skifahren kann und genau das mache wo ich Spaß daran hab.

Was würdest Du Dir für die Allgäuer Szene wünschen?

Dass sie mehr Möglichkeiten haben, gute Parks zu fahren. Ich verbringe viel Zeit im Ausland, weil wir hier im Allgäu nicht die Möglichkeit haben die Standard-Parks zu fahren, und nur so kannst Du mit anderen Nationen mithalten. Wie sollst du im Freeski-Business Erfolg haben, wenn du nicht die entsprechenden Trainingsmöglichkeiten hast? Es ist enorm schwierig Fuß zu fassen, darum müssen viele, die den Ehrgeiz haben, den ganzen Winter in anderen Parks verbringen, um besser zu werden.

Verrätst Du uns Deinen favourite Spot im Allgäu?

Crystal Ground Snowpark im Kleinwalsertal. Wenn ich zu Hause bin, fahr ich fast nur dort. Das ist auch der Grund warum ich mit diesem Snowpark zusammen arbeite. Sie haben nur kleine Möglichkeiten aber versuchen damit den jungen Kids das Bestmögliche zu bieten.

Welche Ziele hast Du Dir für die Zukunft gesteckt?

Ich will unbedingt wieder ein eigenes Videoprojekt realisieren. Mir macht es unglaublich viel Spaß an eigenen Sachen zu arbeiten, deshalb habe ich mein Projekt - "Project Phoenix" - diese Saison veröffentlicht. Natürlich ist mein Ziel die Weltmeisterschaft 2017 oder die Olympischen Spiele 2018 in Pyeongchang. Aber ich will in Zukunft auch weiter Videoprojekte realisieren.

Was steckt hinter dem Project Phoenix?

Das Project Phoenix ist ein Movie über meine letzte Saison. Es ist sehr schwierig als professioneller Freeskier zu leben. Der Film soll zeigen, wie schwer es wirklich ist und wie viele Sachen daran hängen. Viele denken, dass es ein Traumleben ist, davon zu leben. Ich verdiene aber absolut gar nichts mit dem Skifahren und es ist für mich eigentlich nur ein teures Hobby. Bei mir ist letzten Winter so viel schief gelaufen, wie nur falsch laufen kann. Ich will es aber unbedingt schaffen, davon zu leben und es noch mehrere Jahre zu machen. Ich hoffe der Film gibt manchen Leuten ein kleinen Einblick in unseren Sport und wie hart es wirklich ist.

Was wurde aus der HZU-Crew?

Meine besten Kumpels haben mittlerweile eine eigene Film Agentur namens Graupause. Sie haben irgendwann mehr und mehr eigene Aufträge umgesetzt und da haben sie leider nicht mehr all zu viel Zeit gehabt mit mir filmen zu gehen. Ich bin den ganzen Winter unterwegs, deshalb hat es sich ein bisschen verlaufen und wir können leider nichts mehr unter dem Namen Hzumoviecrew produzieren. Deshalb arbeite ich an eigenen Projekten und sie unterstützen mich wo sie nur können. Ich bin aber super glücklich, dass sie ihren Weg über unsere Skimovies gegangen sind und mit diesem Zeug etwas aufbauen konnten! Wir werden in Zukunft aber trotzdem noch die ein oder anderen Sachen zusammen veröffentlichen. Also, alle bitte auch die Jungs von Graupause supporten!

Was machst du, wenn du gerade mal nicht auf den Brettern stehst?

Ich arbeite wie gesagt viel an eigenen Projekten und wenn ich nicht unterwegs bin oder auf dem Schnee, arbeite ich am Computer und schneide die ein oder anderen Sachen und schau, wie ich mich vermarkten kann. Meine Aufgabe ist es auch, über Social Media-Kanäle die einzelnen Filmsachen des Freeski Team Germany mitumzusetzen. Ich kann eben nicht vom Skifahren leben, deshalb arbeite ich an anderen Sachen, um mir alles leisten zu können. Natürlich geh ich viel Skateboard fahren und hab auch noch andere Hobbys. (lacht)

Vielen Dank für das Interview und viel Spaß in den Parks der Welt!