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Sonstiges  Ausbildung 2018: Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit


Geschrieben von Vinzent Zörlaut am 22.01.2018

Keinen Plan was nach der Schule kommt? 

Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit

Für das LIVE IN Ausbildungsspecial unter dem neuen Namen „Bildung, Beruf, Business“ spielt das staatliche Organ, die Agentur für Arbeit vor allem im Bereich Berufsberatung eine wichtige Rolle. Wie junge Schulabgänger zu ihrer Wunschausbildung kommen und was letztendlich für eine duale Ausbildung im direkten Anschluss an die Schulzeit spricht, durfte unsere Praktikantin Anna Münsch im persönlichen Interview mit der Leiterin des Kemptener Arbeitsamtes, Maria Amtmann und Pressesprecher Reinhold Huber in Erfahrung bringen.

Jemand hat noch gar keine Idee, welchen Beruf er später ausüben will. Wie helfen Sie ihm?

Maria Amtmann: Der Betreffende kann natürlich sehr gerne zu uns in die Berufsberatung kommen. Unsere Berufsberater können dann Stärken, Schwächen, Interessen, aber auch Abneigungen zu einzelnen Berufsfeldern mit dem Jugendlichen ausloten und so von einem großen Filter angefangen die in Betracht kommenden Bereiche zu definieren. Es gibt aber auch bei uns im Internet sehr viele Möglichkeiten, sich zu informieren. Meine Empfehlung ist immer, das persönliche Gespräch mit dem Berufsberater zu suchen. Inzwischen haben wir auch eine ganze Reihe von Apps, mit denen man sich selbst ein bisschen testen und dabei einschränken kann, in welche berufliche Richtung es gehen soll. Das sind völlig unkomplizierte Anwendungen, die es zu bedienen gilt, damit kommt jeder Jugendliche klar.

Welche Apps wären das beispielsweise?

Reinhold Huber: Eine heißt „Azubi Welt“. In dieser Azubi Welt kann man sich ein Profil einrichten oder Berufe suchen und entdecken. Man arbeitet dabei in verschiedenen Ebenen und kommt so immer weiter, da die Berufe spezifischer werden und am Schluss noch eine kleine Auswahl übrig bleibt. Das bietet eine erste Orientierung, um herauszufinden, in welche Richtung man gehen könnte, was dann sehr wichtig für das folgende Gespräch mit dem Berufsberater ist.

Also dienen diese Apps sozusagen als Vorbereitung für die Beratung?

Reinhold Huber: Genau. Und die sollte man auch unbedingt nutzen. Diese App ist allerdings nur eine Variante. Wir haben auch „Berufe TV“. Dort sind mittlerweile 300 Ausbildungsberufe versammelt, die in Kurzfilmen vorgestellt werden. Die Filme stellen dann genau heraus, was  die einzelnen Berufe ausmacht. Unser ganzes Medien-Angebot, neben der wichtigen Beratung im Gespräch natürlich, ist uferlos groß und man muss für sich selbst sehen, was für einen persönlich geeignet ist.

Maria Amtmann: Wir haben viele Zugangskanäle. Zum einen der Weg zum Berufsberater, der Weg über die IT, wir haben aber auch das sogenannte Berufsinformationszentrum BIZ. Dort kann man ohne Termin hinkommen und Anliegen vorbringen. Zum Beispiel, wo man im Internet nachschauen kann oder wie man an bestimme Informationen kommt. Dort stehen die Mitarbeiterinnen jederzeit für eine oberflächliche Beratung zur Verfügung.

Ist es denn sinnvoll, wenn Eltern ihre Kinder zum Beratungsgespräch begleiten?

Maria Amtmann: Entscheiden, welchen Beruf man am Ende ergreift, muss der Jugendliche für sich selbst, denn dieser muss am Ende damit zufrieden sein. Aber wenn die Eltern beim Beratungsgespräch dabei sind, dann hilft das mitunter, da der Jugendliche dann wahrscheinlich zu Hause nochmal mit seinen Eltern diskutiert und auslotet, was denn für ihn der richtige Beruf sein könnte. Und wenn die Eltern und der Jugendliche dabei denselben Wissensstand haben, ist das hilfreich.

Reinhold Huber: Zudem ist es ja so, dass man sich meistens noch nicht direkt nach dem ersten Gespräch entscheidet, sondern noch ein zweites oder drittes anhängt. Somit wäre es ja eine mögliche Variante, wenn die Eltern beim ersten Gespräch dabei sind, der Jugendliche dann aber zum nächsten alleine hingeht, da er die Entscheidung für sich selbst treffen muss.

Das Geld sollte nicht das Wichtigste sein

Welche Tipps können Sie den jungen Menschen geben, um die Entscheidung zwischen einer schulischen Weiterbildung und einer Ausbildung zu vereinfachen?

Maria Amtmann: Zunächst sollte man sich darüber im Klaren sein, wofür jemand geeignet ist und was seine Interessen und Talente sind. Viele treffen diese Entscheidung auch, weil sie zusammen mit ihren Freunden weiter auf die Schule gehen wollen. Aber man sollte eigentlich das für sich persönlich Geeignetste finden. Am hilfreichsten ist es meines Erachtens, wenn der Jugendliche verschiedene Praktika durchläuft und sich mit der Berufswahl befasst. Dabei ist wichtig zu wissen, dass eine duale Ausbildung keine Einbahnstraße ist, da es ja nicht beim Gesellenbrief bleiben muss. Man könnte zum Beispiel Richtung Meister aufsteigen oder studieren. Mit einer dualen Ausbildung verbaue ich mir also nichts. Insofern ist die Entscheidung zwischen einer dualen Ausbildung und der FOS keine existenzielle, sondern nur eine erste Entscheidung auf dem beruflichen Weg.

Wenn man sich nun dafür entschieden hat, eine Ausbildung zu machen, welche Kriterien sollte man bei der Wahl eines Berufes beachten und welche Rolle sollte die Höhe der Ausbildungsvergütung spielen?

Maria Amtmann: Jeder sollte sich grundsätzlich an seinen Interessen, Neigungen und Fähigkeiten orientieren. Ob mir eine bestimmte Tätigkeit gefällt, kann ich durch Praktika überprüfen. Natürlich wird Jeder den Blick auch auf die Ausbildungsvergütung richten, doch diese erhält man in der Regel nur über drei Jahre hinweg. Das ist im Vergleich zu den Jahren, die man vielleicht in dem erlernten Beruf tätig ist, eigentlich keine Orientierungshilfe. Also sollte man nicht nur darauf achten, während der Ausbildung eine hohe Ausbildungsvergütung zu erhalten, sondern auch ob ich mir den Beruf mehrere Jahre lang vorstellen kann. Studien zeigen, dass nicht das Einkommen eines Berufes das ist, was glücklich macht, sondern die Erfüllung, die ich dadurch erhalte.

Sind denn Berufswahltests aus dem Internet sinnvoll?

Maria Amtmann: Ja. Jeder Berufswahltest bringt einen letztendlich weiter. Wir erleben bei ganz vielen Eltern und Jugendlichen, dass sie aufgrund der vielen Möglichkeiten, die es gibt, um ins Berufsleben zu starten, überfordert sind. In Deutschland gibt es über 3oo Ausbildungsberufe und man tut sich natürlich sehr schwer damit, einen Überblick zu behalten. Deshalb sollte man bestenfalls alle Informationen aus dem Internet nutzen, auch diese Berufswahltests. Alles hilft einen Schritt weiter, bis dann irgendwann einmal die Entscheidung bevorsteht. Diese Selbsterkundungstools dienen dazu, diese zu vereinfachen.

Welche Vor- und Nachteile liegen für einen Azubi in einem kleinen bzw. großen Ausbildungsbetrieb?

Maria Amtmann: Im großen Ausbildungsbetrieb sind oftmals Werkstätten gegeben, manchmal finden schon zu Beginn der Ausbildung Teamfindungsseminare statt. Zudem kann man sich mit den anderen Azubis austauschen. Auf der anderen Seite bekomme ich in einem kleinen Ausbildungsbetrieb häufig die Breite der Tätigkeit mit, da ich nicht so spezialisiert arbeite. Dort ist ein Azubi häufig schon in sehr viele Tätigkeiten mit einbezogen, da jeder zupacken muss, wo Not am Mann ist. Deshalb bin ich von Anfang an schon stärker gefordert in den unterschiedlichen Sparten und Feldern.

Reinhold Huber: Zudem sollte man wissen, ob man teamfähig ist und gut in einer Gruppe klar kommt, da in sehr großen Betrieben ja manchmal zwanzig bis fünfundzwanzig Azubis pro Jahrgang sind. In einem kleinen Familienbetrieb dagegen kann man sich besser um einen Azubi kümmern, zudem wird man dort als Einzelner besser wahrgenommen.

Jeder Beruf wird sich verändern

Welche Branchen und Berufe sind heutzutage nicht mehr zukunftssicher? Welche voraussichtlich schon?

Maria Amtmann: Grundsätzlich kann man sagen, dass eigentlich jeder Jugendliche gebraucht wird, aufgrund des demografischen Wandels. Zahlenmäßig brauchen wir also jeden jungen Menschen, um als wirtschaftlicher Standort attraktiv zu sein und weiterhin produzieren zu können. Dabei wird es sicher Unterschiede in den einzelnen Branchen geben. Alle personenbezogenen Dienstleistungen braucht Deutschland sicher, unabhängig von wirtschaftlichen Entwicklungen. Dazu zählen zum Beispiel Alten- und Krankenpfleger, oder auch Erzieher. Manche Dinge werden im Rahmen der Digitalisierung sicherlich automatisiert werden. Man darf aber nicht vergessen, dass dann auch wieder Menschen gebraucht werden, um diese zu konstruieren und zu bedienen. Jeder Beruf wird sich in Zukunft wandeln und verändern. Es gehört zum Berufsleben dazu, sich über Jahre hinweg anzupassen und weiterzubilden, um als Arbeitnehmer später gefragt zu sein.

Gibt es noch etwas, das Sie unseren jungen Lesern mit auf den Weg geben möchten?

Maria Amtmann: Auf der einen Seite, dass den Jugendlichen alle Türen offen stehen und der Ausbildungsmarkt noch nie so gut ausgebaut war, wie er heute ist. Wir haben sehr viel mehr offene Ausbildungsstellen als Bewerber. Also stehen diesen insgesamt sehr viele Möglichkeiten zur Verfügung. Auf der anderen Seite bedeutet diese Vielfalt häufig auch Überforderung. Umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld eingehend damit zu befassen. Eine Vielfalt an Ausbildungsstellen heißt nicht, dass die Berufswahl leichter ist.

Reinhold Huber: Zudem sollte man sich rechtzeitig informieren. Die Berufswahl ist kein einfacher Prozess. Man sollte sich nicht darauf verlassen, eine gute Stelle zu bekommen, nur weil noch viele freie Plätze vorhanden sind.

Maria Amtmann: Es sind dann sicher noch Ausbildungsstellen frei, doch ob das dann die Richtigen sind, ist die Frage. Man sollte sich einfach rechtzeitig darüber informieren, Selbsterkundungstools durchlaufen, wenn möglich ein Praktikum absolvieren, im Freundeskreis und in der Familie nach Erfahrungen fragen und dann den Kontakt mit der Berufsberatung suchen.