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Sonstiges  Boybands Forever in der bigBOX Kempten


Geschrieben von Jacqueline Hoffmann am 10.01.2018
Bild: Boybands Forever

Boybands Forever

02.03.2018 - bigBOX/Kempten

Am 2. März kommen in der bigBOX Kempten alle Fans von Take That, Backstreet Boys & Co. auf ihre Kosten. Der Musicalerfolg "Boybands Forever" gastiert in Kempten und hat Oliver Pocher, der die Zuschauer am heutigen Abend durch das Programm führt, im Schlepptau. 

Comedian, Regisseur und Drehbuchautor Thomas Hermanns will Licht in den Boyband-Mythos bringen und das Publikum in die Ära der Massenhysterien versetzen. 2017 brachte er mit viel Detailliebe, großer Begeisterung für das Phänomen Boybands und natürlich einer Menge Humor und Ironie die brandneue Musical-Show „BOYBANDS FOREVER“ auf die Bühne. Wir haben mit dem Mastermind und Enterainter telefoniert und ihn über seine persönlichen Boyband-Erlebnisse, die Besetzung des Musicals und Plüschtiere befragt.

Bei Deiner Musicalkreation „Boybands Forever“ agierst Du als Autor und Regisseur. Woher kam Deine Inspirationen dafür?
Ich bin ja eigentlich ein richtiger Pop-Nerd. Auf meinem iPod sind wahrscheinlich tausende Titel aus hundert Jahren Popgeschichte und manchmal spielt sich dann ein bestimmtes Lied hoch. In diesem Fall war es von Blue „Breathe Easy“, was ich auf dem Laufband auf einmal im Ohr hatte – also eigentlich gar kein so großer Hit. Aber ich dachte mir, dass das ein wahnsinnig schöner Song ist und die Zuschauer bei einer Live-Performance merken würden, wie gut der Song wirklich ist. Denn Boybands haben oft das Problem, dass sie dem großen Publikum einfach zu trashig sind. So entwickelte sich die Idee, die Qualität der Songs und die Qualität der Show einmal neu herauszuarbeiten.

Also hörst Du selbst gern Songs von Backstreet Boys und New Kids On The Block?
Klar, aber ich musste mich dahingehend auch erst einmal befreien – sag' ich jetzt mal so. Denn als diese Bands rauskamen, sah es nunmal recht albern aus. Also die Outfits, die Looks und diese komischen Tänze im Regen, das war ja alles ein wenig künstlich und ich brauchte ein bisschen Abstand. Jetzt nach 20 Jahren schaue ich wieder drauf und stelle fest, dass die Songs und die Performances besser sind als ich sie in Erinnerung hatte. Und genau das machen wir in der Show: Die Songs noch einmal anschauen, neu beleuchten und mit dieser Mischung aus Liebe und Ironie auf die Bühne bringen.

Würdest Du sagen, dass das Phänomen „Boyband“ reine Frauensache ist?
Nein! Wir haben ein Publikum, das zu 80 % Frauen, 10 % schwulen Jungs und 10 % mitgeschleiften Hetero-Männern besteht. Die sind uns aber sehr wichtig, weil wir sie auch ermutigen wollen, sich als Boyband-Fans zu outen und die innere Boyband rauszulassen. Also wir möchten diese Fanbase noch aufbauen und ich denke, dass es auch gut für die Beziehung ist, denn dann kann man abends zur Freundin sagen: Ich mach dir jetzt den „Badboy“ und dann ist das sogar noch gut für's Eheleben.

Wie kann man sich den Entstehungsprozess eines Musicals vorstellen?
Na, es fängt immer bei einer Ur-Idee an. Oft ist es etwas, das mich persönlich begeistert. In dem Fall war es die Musik und dann geht man einen Schritt weiter und überlegt, wie man es auf die Bühne bringen kann. Als erstes dachte ich an einen Moderator, der meine Haltung zu diesen Popthemen und meinen Humor vertritt, um dann diese Nummern durchzugehen. Und ich brauche halt fünf Jungs, die die Songs performen können. Das war glaube ich auch das Schwerste. Wir haben unglaublich lang gecastet, um die passenden Schauspieler zu finden, bis wir gemerkt haben – was ich schon geahnt hatte – dass die Boyband-Sachen viel anspruchsvoller sind, als man eigentlich denkt. Als wir dann die erste Choreo gemacht haben, fiel den Leuten im Casting die Klappe runter, denn wenn man eine NSYNC-Nummer einfach mal so schnell machen soll, weiß man schnell, wo der Hammer hängt.

Inwiefern ist es schwieriger zu performen als bei andere Rollen?
Na, weil beides gleichzeitig passieren muss. Also wenn du mal eine Ballade singst, dann kann es schon mal sein, dass du im Scheinwerferlicht stehst und das ist bei Boybands nicht so. Die bewegen sich immer – selbst bei Balladen. Das heißt, du musst im Zweifelsfall die hohe Note im Spagat singen – neben einer Frage der Kraft ist das eine technische Herausforderung.

Und wie können wir uns den Prozess der Songauswahl vorstellen?
Es war ein bisschen schwierig. Die Hits waren schnell klar, denn das Publikum kommt ja mit einer gewissen Vorstellung zu der Show. Aber dann gibt es viele Sachen, die eher eine Orchidee und nicht ganz so bekannt sind. Dafür musste man sich natürlich erstmal ganz viel anhören und tiefer einsteigen, um dann den ein oder anderen Song von East 17, der vielleicht nicht so bekannt ist, zu finden.

Was glaubst Du, woher die generationsübergreifende Begeisterung?
Ich glaube, dass dieses Rezept ein wirklich Gutes ist – erstmal für Mädchen im Alter von 14 Jahren. Aber was bei einer guten Band, wie One Direction noch dazu kommt: Die Songs müssen wirklich perfekt sein, damit sie zu großen Hits werden. Wenn man sich Take That anschaut, erkennt man, dass die ersten Lieder noch etwas trashiger sind und in dem Moment, als die Jungs erfolgreich wurden, haben sie auch die besten Popkomponisten bekommen, die ihnen wirklich gute Stücke geliefert haben.

Was braucht eine Boyband, um nach dem Durchbruch oben zu bleiben?
Also ich glaube, dass sie wahnsinnig fleißig sein und wirklich viel können müssen. Als Zuschauer unterschätzt man das leicht, weil da alles so leicht aussieht. Und sie brauchen wirklich gute Lieder und einen ausgezeichneten Choreografen. Wenn sie das alles zusammenkriegen, haben sie eine gute Chance auf dem Weltmarkt.

Spricht das Musical nur eingefleischte Fans an oder können auch Neulinge Gefallen daran finden?
Es spricht nicht nur Fans an – ich sage mal, dass jeder, der popinteressiert ist, bei uns gut aufgehoben ist. Wenn jemand nur Klassik oder Bob Dylan hört, ist es vielleicht nicht das Richtige. Aber es geht nicht nur darum, retro-mäßig zu feiern, sondern auch das Moderne in dem Ganzen zu sehen. Wir haben eine Band auf der Bühne, die die Songs auch anders arrangiert hat und anders präsentiert als die Vorbilder.

Welcher Song des Musicals ist Dein persönliches Highlight?
Also ich habe da verschiedene. Ich würde mal sagen „I want it that way“, weil sie das anders machen, als es eigentlich ist: Das ist eine szenische Umsetzung – ich darf noch nicht verraten wie, sonst wird es nicht klappen – bei der der Song sehr ernst und intim wird und ihm damit eine ganz besondere Kraft verleiht.

Hast Du Boybands damals live erlebt?
Ich muss zu meiner Schande gestehen: Nein. Ich war bei vielen Fernseh-Aufzeichnungen, aber ich habe nie ein ganzes Konzert gesehen, weil ich zu der Zeit schlichtweg schon zu alt war. Aber ich habe mir viele Videos angeschaut und musste feststellen, dass ein Teil der Boyband-Ästhetik im Video besser klappt als live. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass VIVA und MTV zum Erfolg beigetragen haben, denn die Attraktivität der Jungs war nicht gerade nebensächlich und die siehst Du auf dem Fernseher natürlich besser als auf dem Konzert.

Würdest Du sagen, dass sich das Phänomen „Boyband“ im Laufe der Jahre gewandelt hat?
Also lustigerweise ist das Rezept immer noch dasselbe – wir haben das bei One Direction genauso wie bei Take That. Musikalisch ist es ein wenig anders geworden: Der Soul wurde von rockigeren Melodien abgelöst und auch wenn One Direction von sich sagen, dass sie keine Boyband seien, so haben wir auch hier wieder Videos, in denen sie sich grundlos am Strand im Meer mit Wasser überspritzen. Es gibt kein Boyband-Video in der Wüste, denn es muss immer einen Grund geben, fünf hübsche Jungs ins Wasser zu schubsen.

Sollte man zum Musical ein Kuscheltier mitbringen oder ist das eher unangebracht?
Nein, das ist absolut gewünscht! Wir haben schon in München gemerkt, dass immer mehr Leute welche mitgebracht haben. All diese Rituale kann man bei uns abfeiern, ohne sich zu blamieren. Wir sind ein geschützter Raum – hier kann man Boyband-Fan spielen, bis man am Ende der Show wirklich einer ist.