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Sonstiges  Improstadl in der kultBOX/Kempten


Geschrieben von Felix Schleinkofer am 24.11.2017

„Nichts ist unmöglich - Hollerried!“

allgäuEnsemble Theater präsentiert
DER IMPROSTADL - spontan, schräges Bauerntheater

09.12.2017 - kultBOX/Kempten

Mit dem ImproStadl zieht am 9. Dezember erstmals improvisiertes Bauerntheater in die kultBOX Kempten. Eine urkomische, urige LIVE-SITCOM aus dem Hause Die WendeJacken.

Hier trifft das Publikum auf die kleine fiktive Allgäuer Gemeinde Hollerried, genauer gesagt auf Rosi Krempls Gaststube. Dort, wo das Dorfgeschehen zusammen kommt, wo aus Mücken Mäuse werden und wo Traditionelles sich verliert und wieder findet. In den typischen Rollen eines Bauerntheaters treffen die Schauspieler aufeinander. Ausgestattet mit Vorgaben und Wünschen der Zuschauer zaubern die Akteure mit charmanter Schlagfertigkeit einen spannenden, unterhaltsamen und zünftigen Komödienstadl auf die Bühne. Hier bleibt kein Auge trocken wenn Rosi Krempl (Nadine Schneider) mit ihrem Ensemble immer wieder das Unerwartete erwartet und dabei die absurdesten Aufgaben zu bewältigen hat. Es geht stets um die hausgemachten Themen, die eine kleine Gemeinde und die Menschen darin beschäftigt.
Wer ist eigentlich der wahre Vater von Lena Krempl (Anna Hindelang), warum tut sich Schorsch Sauter (Max Kinker) so schwer bei ihr zu landen? Liegt es an seinen Äpfeln? Oder ist mal wieder ein Medikamenten-Experiment von Landarzt Dr. Wirth (Wolfgang Meyer-Müller) schief gelaufen? Ist es am Ende dann doch ein politisches Machtspiel von Bürgermeister Engel (Franz Summerer)? Wer ist der fremde Besucher (Norman Graue)? Vielleicht der Weihnachtsmann in Zivil, ein blutsaugender Staubsaugervertreter oder der Pizzabote? Wer hier mit wem anbandelt, welche Geheimnisse ans Tageslicht kommen oder ob die nächste Szene als Spionagefilm weitergespielt werden soll, entscheidet im ImproStadl das Publikum. Für die passende „Stubenmusik“ sorgen die drei Musiker von Dreiecksmusi. Zünftig, urig und originell - der Allgäuer ImproStadl.

Wir durften Schorsch und Rosi bei uns in der Redaktion als Gäste zum Interview willkommen heißen und ließen uns über die wahre Bedeutung von Rosis Gaststube aufklären.

In Rosi Krempls Gaststube geht es ja immer ziemlich ab, hab ich gehört. Was ist das, was passiert da so und wird man da als Tourist überhaupt bedient?

Rosi: Ja sicher, also in Hollerried ist grundsätzlich mal jeder willkommen und Rosi Krempls Stube ist was uriges.

Schorsch: Ja, da ist es nett.

Rosi: Hollerried - da geht’s allgemein um die Dorfgemeinschaft. Da kann jeder kommen, in der Stube ist jeder willkommen.

Schorsch: Das ist unser großes Wohnzimmer der Gemeinde. So würd ich es mal nennen, Rosi.

Rosi: Ja, so kann man es schon sagen, also da kommt jeder, der da beheimatet ist, mindestens einmal am Tag vorbei und da werden auch wichtige Entscheidungen getrofffen. In meiner Stube findet jeder einen Platz und ich hab ja auch Gästezimmer, das heißt die Touris können schon kommen. Solange sie das Geld da lassen, ist alles in Ordnung.

Schorsch: Wenn Du ein Problem mit einem Hollerrieder hast, kommst Du zu Rosi’s Stube rein, erzählst es der Rosi und die erzählt es dann jedem anderen und dann ist das Problem eigentlich schon fast gelöst.

Rosi: Genau, jeder weiß dann Bescheid und man kann ja alles lösen. Es ist einfach so, da passieren Geschichten, die in einem Dorf halt passieren. Es kann sein, dass der Bürgermeister mal wieder irgendetwas Verrücktes bauen lässt. Letztes Mal wollte der einen Atomstützpunkt bauen. Das geht natürlich überhaupt nicht, aber da redet einfach auch jeder mit. Da ist nicht nur der Bürgermeister derjenige, der Entscheidungen treffen kann, sondern das machen wir alle miteinander. Naja und wenn’s gar nicht geht und man versteht sich mal gar nicht, dann trinken wir einen Enzian und dann geht’s auch wieder.

Schorsch: Ich bin fest davon überzeugt, kein Atomkraftwerk bei mir auf dem Feld. Das hat bis jetzt auch ohne gut ausgesehen. Nein, das geht auf keinen Fall. Obwohl, große Äpfel hätten wir dann schon, oder? Vielleicht können wir nochmal drüber reden.
 
Wenn wir grad beim Thema sind. Wer hat denn in Hollerried die dicksten Kartoffeln?
 
Schorsch: Das bin in dem Fall dann schon ich.

Rosi: Ja da weiß man nicht so genau, ob auf dem Feld oder in der Hose (lacht). In meinem Dorfladen gibt’s halt auch einfach alles zu kaufen. Da verkauf ich die Äpfel vom Schorsch und es gibt da auch einen guten Schnaps und man kann auch mal gemütlich einkehren und auf einen Hoigarta reinkommen.

Schorsch: Die Rosi hat auch ein nettes Töchterlein, die Lena, die einzige im Dorf, die einigermaßen gut ausschaut.

Rosi: Naja, der Schorsch ist auch der einzige Junggeselle im Dorf. (lacht) Aber heiraten lass ich die beiden nicht.
 
Wird in Rosi Krempls Gaststube auch ein bisschen Dorfpolitik gemacht?
 
Rosi: Ja, auf jeden Fall. Die Gemeinderats-Sitzungen finden allgemein bei mir in der Stube statt, weil wir keinen eigenen Gemeindesaal haben und das quasi alles bei mir läuft. Wenn unser Bürgermeischter etwas zum bereden hat, dann bespricht er das eigentlich erst einmal mit mir. Ich mein, ohne das geht gar nix. Wenn es von meiner Seite kein „Go“ gibt, brauchen wir gar nicht weiterreden. Aber der Herr Engel und ich sind schon relativ eng miteinander.

Schorsch: Ich hab es gesehen. Ihr habt da immer wieder rumbusiert.

Rosi: (lacht) Was hast Du gesehen?

Schorsch: Man sieht so einiges. Und hören tut man's auch. (lacht)

Rosi: Ja, in so einer kleinen Gemeinde, da kannst Du halt auch nichts geheim halten. Aber ja, es geht selten hochpolitisch zu, also wir haben jetzt keine Flüchtlinge oder sowas.

Schorsch: Die brauchen wir auch nicht bei uns.

Rosi: Warum eigentlich nicht? Ich mein es gibt ja außer Dir keine Kerle und wenn da mal  ein paar mit etwas Farbe reinkommen, hätt ich da nix dagegen. Zur Apfelernte könntest Du ja auch Hilfe gebrauchen.
 
Apropos Landwirtschaft, ist Glyphosat ein Thema in Hollerried?

Schorsch: Glyphosat? Des ist doch das kleine Bauteil beim Traktor, vorne im Motorblock, oder? Das Teil, das man auswechseln kann.

Rosi: Ach – ich sag mal so, bei uns in Hollerried wird alles nur in Handarbeit gemacht. Wir stehen für Qualität, Made in Hollerried und uns ist einfach wichtig, dass da keine Einflüsse von außen kommen. Wir müssen schauen, dass wir voran kommen und wie gesagt, jeder ist willkommen, aber uns ist auch wichtig, dass in der Dorfgemeinschaft jeder mithilft. Wenn der Nachbarbauer noch Hilfe braucht, dann hilft man halt, wir arbeiten einfach zusammen.

Schorsch: Das ist besonders nett in unserer Gemeinde. Und es gibt eine ganze Reihe von Leuten mit Rang und Namen, die auch schon in Hollerried gewesen sind. Da waren Politiker wie der Trump und der Bruce Willis war auch schon mal da. Der hat auch eine Nacht bei Dir vebracht, oder?

Rosi: Ja, zwei sogar. Das war vielleicht aufregend und der hat Dir ja auch bei der Ernte geholfen.

Schorsch: Ja freilich.

Rosi: Na, das ist uns einfach sehr wichtig, dass man zusammenhält und das was gutes rauskommt und biologische Landwirtschaft ist uns auch wichtig.

Schorsch: Ein bisschen gespritzt wird bei uns schon. (lacht)

Rosi: Ja, aber nur mit Scheiße. (lacht)

Was sind noch Wirtschaftsfaktoren in Hollerried? Spielt der Tourismus eine Rolle?

Rosi: Ja, definitiv. Also viele Fremde sind da unterwegs, zu mir kommen einfach die Leute. Ist auch relativ günstig mit 120 Euro für die Nacht. Da ist auch ein Willkommensschnaps dabei. Und wir haben viele Sehenswürdigkeiten in Hollerried.

Schorsch: Da kann man durchs Feld spazieren, ein Wald ist gleich um's Eck, mit Eichhörnchen. Richtige deutsche, keine ausländischen Eichhörnchen. Wir haben auch einheimische Wilderer.

Rosi: Wir veranstalten auch regelmäßig Heimatabende, da treffen sich alle in der Stube und dann wird gemeinsam Musik gemacht. Ich hab das Hackbrett, der Schorsch spielt mit der Löffel und Lena singt dazu.

Schorsch: Der Bürgermeischter applaudiert immer.

Rosi: Oder der Adalbert spielt die Trompete.

Schorsch: Wir haben dann quasi ein Orchester bei uns in Hollerried. Das ist das Hollerrieder-Orchester. (lacht)
 
Tradition wird auf jeden Fall großgeschrieben. Wie schaut’s aus mit Religion?
 
Rosi: Wir hatten eine Zeit lang einen Pfarrer aber jetzt nicht mehr. Die Stelle ist sozusagen vakant – also falls sich jetzt jemand berufen fühlen sollte…

Schorsch: Also ich glaub fast alles.

Rosi: Wir sind da ein sehr offenes Volk, wenn´s jetzt nicht grade Teufelsanbetung ist. Wir sehen das eher so, die Moral ist halt wichtig, auch was in der Bibel steht. Eigentlich geht es um die zehn Gebote und die Nächstenliebe. Das ist eigentlich in jeder Religion dasselbe, da muss man gar nicht auf die anderen schimpfen. Ich bin ein Christ und Du bist ein Buddhist, was auch immer. Das ist ganz egal, solange man schaut, wer ist der Mensch dahinter, darauf kommt es doch an. Darauf dass man sich versteht, das man miteinander spricht.

Schorsch: Du an Deinem Gegenüber auch ohne Religion festmachen, ob es ein Depp ist. (lacht)

Rosi: Von mir aus kann jeder glauben, was er will, solange er mir nicht reinfunkt.

New York, Rio, Rosenheim...

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