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Sonstiges  Abwasserverband Kempten - Ausbildungsspecial


Geschrieben von Vinzent Zörlaut am 20.11.2017
Bild: Abwasserverband Kempten Eva Baumgartner

So geht Umweltschutz - jeden Tag!


Der Abwasserverband Kempten: Berufseinstieg mit Perspektive

Der Abwasserverband Kempten (AVKE) betreibt mit dem Gruppenklärwerk in Lauben eine der größten und modernsten Abwasserreinigungsanlagen in Bayerisch Schwaben und reinigt von über 120 000 Menschen in Kempten und elf umliegenden Gemeinden das Abwasser. Die Gesamtreinigungsleistung der Kläranlage entspricht mit den angeschlossenen Industriebetrieben 460000 Einwohnerwerten. Insgesamt beschäftigt der AVKE 37 Mitarbeiter, die für die komplexen Reinigungsprozesse verantwortlich sind. Doch wie ist es eigentlich, in einer Kläranlage zu arbeiten? Was spricht für eine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik? Welche Stereotypen und Klischees sind unbegründet und welche Möglichkeiten bieten sich für Studenten im Rahmen eines Praxissemesters oder einer Abschlussarbeit?

Wir haben uns mit den Ausbildern des AVKE Alexander Distler, Christian Zeh, Sebastian Gebauer, Philip Schommer sowie der ehemaligen Studentin an der HS Kempten, Eva Baumgartner zum Interview auf dem Werksgelände verabredet, um mehr über die beruflichen Perspektiven in dieser umwelttechnischen Branche zu erfahren.

Abwasser, das ist ein Thema, das zunächst einmal nicht besonders aufregend klingt. Jedoch verbergen sich hinter unterschätzten Berufen oft spannende und vielseitige Tätigkeiten. Was spricht für einen Arbeitsplatz beim Abwasserverband Kempten?

Zunächst einmal betreibt man aktiven Umweltschutz. In Deutschland haben wir eine Abwasserwirtschaft, die auf dem technischen Stand ganz im Sinne eines gezielten Umwelt- und Gewässerschutzes ist. Im internationalen Vergleich ist das keine Selbstverständlichkeit. Zudem zeichnet sich unsere Arbeit durch hohe Vielseitigkeit aus. Man arbeitet in den naturwissenschaftlichen Bereichen Chemie, Biologie sowie Verfahrens- und Steuerungstechnik. Man ist sowohl draußen an der frischen Luft als auch drinnen beschäftigt und, was ganz wichtig ist: es ist ein krisenfestes Business, denn Abwasser wird immer produziert. Unser Team ist auch spitze, wir verstehen uns gut untereinander, was auch nicht ganz unrelevant im Berufsleben ist.

Sie bilden in den Ausbildungsberufen Elektroniker/in für Betriebstechnik, Industriemechaniker/in und Fachkraft für Abwassertechnik aus. Wie sieht so ein Arbeitsalltag als Fachkraft für Abwassertechnik aus?

Im Prinzip besteht der Arbeitsalltag einer Fachkraft für Abwasser aus einem Querschnitt aus Laborarbeit und mechanischen Tätigkeiten. Eine ausgebildete Fachkraft ist grundsätzlich dazu befähigt, eine Abwasseranlage mit einer Ausbaugröße von 10.000 Einwohnerwerten selbstständig zu leiten. Man nimmt Proben, macht Messungen und vergleicht anhand verschiedener Parameter, ob die Werte den gesetzlich geforderten Grenzwerten entsprechen. Entsprechend der jeweiligen Werte greift die Fachkraft in das Prozessgeschehen ein, steuert und justiert die Anlage. Neben überwachenden Aufgaben geht der Beruf auch Richtung Anlagensteuerung und Wartung. Die Fachkraft kann außerdem Reparaturen an  Anlagenteilen vornehmen.

Welche Fähigkeiten sollte man als Bewerber mitbringen? Was können Sie einem potentiellen Azubi im Gegenzug bieten?

Mitbringen sollte man Interesse sowie Verständnis an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen, ein handwerkliches Geschick ist nicht von Nachteil. Gute Schulnoten in naturwissenschaftlichen und mathematischen Fächern bringen Vorteile, wir laden aber auch Bewerber zu einem persönlichen Gespräch ein, von denen wir denken, daß Sie in unser Team passen um uns ein direktes Bild von der Person machen zu können. Bei uns ist es eigentlich immer und auch kurzfristig möglich, ein Schnupperpraktikum zu machen. Wer Interesse hat, ist herzlich willkommen und kann uns gerne einen Tag oder auch länger, über die Schulter blicken.

Besonders hervorzuheben ist die finanzielle Vergütung der Lehrlinge. Bei 900,- € im ersten und etwa 1100,- € im dritten Lehrjahr kann man nicht meckern. Hinzu kommen 30 Tage Urlaub und eine Jahressonderzahlung. Als Mitarbeiter im öffentlichen Dienst genießt man zudem einen sehr guten Arbeitsschutz und Privilegien wie eine Rentenzusatzversorgung sowie einen Beamtentarif bei Versicherungen. Die Übernahmequote der Lehrlinge liegt übrigens mit Befristung bei 100% und die Berufsschule in Lauingen ist ein Sammelbecken junger Nachwuchskräfte, die sich während des Blockunterrichts austauschen können und ihre Freizeit miteinander verbringen.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

In allen drei Ausbildungsberufen, die wir anbieten, gibt es sehr gute Weiterbildungsmöglichkeiten. Da der Beruf Fachkraft für Abwassertechnik in die Bereiche Verfahrenstechnik/ Chemie, Elektronik sowie Metall gedrittelt ist, kann man sich nach der Ausbildung über einen Techniker oder Meister in einem der drei Bereiche spezialisieren. Auch ein naturwissenschaftliches Studium im Anschluss ist möglich. Wir haben auch Finanzierungsmodelle für Meisterschüler und die Branche ist deutschlandweit sehr gut vernetzt, sodass unsere Nachwuchskräfte in regem Austausch miteinander stehen.

Auch im Bereich Forschung ist der AVKE sehr aktiv und stellt neben Praktikumsplätzen auch Kapazitäten für studentische Abschlussarbeiten (Bachelor und Master) zur Verfügung. Eva Baumgartner, Sie sind ehemalige Studentin an der Hochschule Kempten. Wie sind Sie beim AVKE gelandet?

Ich habe an der HS Kempten Energie- und Umwelttechnik studiert und wollte ein zusätzliches, freiwilliges Praktikum im Bereich Umwelttechnik machen, um neben dem energietechnischen Bereich einen praktischen Einblick in den umwelttechnischen Bereich zu bekommen. Da mich die Abwasserreinigung am meisten interessierte, habe ich mich für den AVKE entschieden. Im Anschluss hat sich dann ein super-interessantes Thema für meine Bachelor-Arbeit ergeben, die ich auch beim AVKE schreiben konnte. Und nun bin ich seit einem guten Jahr fest als Ingenieurin mit dabei und sammle erste Berufserfahrung nach meinem Studium.

Das zusätzliche Praktikum ist für Ihren Studiengang ja nicht verpflichtend. Würden Sie ein Praxissemester beim AVKE weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Vor allem für Studenten der Energie- und Umwelttechnik, die wie ich, mehr am umwelttechnischen Bereich interssiert sind, ist die Abwassertechnik ein vielseitiges und abwechslungsreiches Arbeitsgebiet. Ich habe im Praxissemester viel Erfahrung in der Laborarbeit sammeln können, vom Pipettieren bis hin zur Qualitätskontrolle. Zudem habe ich viel über die einzelnen mechanischen sowie biologischen Reinigungsstufen gelernt, welche im Studium nur knapp angeschnitten wurden. Und auch mit strukturiertem, wissenschaftlichem Arbeiten, die mit der Auswertung von Analyseergebnissen einhergehen, konnte ich mich vertraut machen. Für mich war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung und das Team war echt super.

Nehmen Sie Berührungsängste der Menschen mit der Branche wahr?

Diese Vorurteile gibt es schon. Viele Leute haben das Bild eines Kanalarbeiters vor Augen, der knietief in Fäkalien rumläuft. So ist das aber natürlich nicht. Junge Menschen, die sich selbst und hautnah ein Bild von unserem Arbeitsalltag machen möchten, sind herzlich eingeladen, vorbeizuschauen. Wir haben immer Praktikumsplätze im Angebot. Bewerbungen für unsere Ausbildungsplätze zum Elektroniker, Industriemechaniker und zur Fachkraft Abwasser dürfen jederzeit gesendet werden an:

Abwasserverband Kempten (Allgäu),
Griesösch 1
87493 Lauben
E-Mail: alexandra.nebauer@avke.de

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