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Sonstiges  X-Games Interview Felix und Steffen


Geschrieben von Vinzent Zörlaut am 20.10.2017

Der beste Wakeboarder der Welt kommt aus Kranzegg

X-Games Real Wake: Gold für Felix Georgii und Steffen Vollert

Die X-Games gelten als die prestigeträchtigsten Actionsport-Spiele weltweit und geben den besten Extremsportlern der Welt seit mehr als 20 Jahren eine Plattform, um ihr spektakuläres Können und ihren Wagemut zu demonstrieren. Bei dem internationalen Video-Contest „X-Games Real Wake“ haben die zwei Allgäuer Wakeboard-Profis Felix Georgii (24) und Steffen Vollert (30) nun die Goldmedaille eingefahren.

Lediglich mit einer Winch (mobile Zugwinde), einer Kamera, einer mobilen Sprungschanze und Ihrer Erfahrung bewaffnet, machten Sie sich auf, um die besten urbanen Spots an Staustufen, Wasserkraftwerken und Kanälen weit abseits von gewöhnlichen Wasserski-Analagen ausfindig zu machen. Obwohl sich beide als Sportler längst einen Namen in der internationalen Wakeboard-Szene gemacht haben und für ihre Leidenschaft um die ganze Welt gereist sind, war die Rollenverteilung für Real Wake klar: Felix auf dem Brett, Steffen hinter der Kamera.

Wir haben uns mit den beiden zum Interview verabredet, um mehr über ihren großartigen Erfolg zu erfahren. 

Herzlichen Glückwunsch erstmal an Euch beide. Wie kam es zu der Teilnahme bei  „X Games Real Wake“? Und was genau hat es mit diesem Contest-Format auf sich?

Felix: Vielen Dank. X-Games Real Wake ist ein Video-Wettbewerb von X-Games, bei dem sechs ausgewählte Wakeboarder aus der ganzen Welt eingeladen werden, um einen 90 Sekunden langen Clip zu filmen. Das ganze wurde vom Lines Wakeboard Magazine inszeniert, die auch die Fahrer ausgewählt haben. Im Prinzip besteht das Teilnehmerfeld aus den sechs besten Fahrern weltweit und ich habe mich riesig gefreut, als ich erfahren habe, dass ich als einziger Europäer mit dabei bin. 

Der Video-Clip ist absolut brachial. Die Spots sehen richtig einschüchternd aus. In welche Winkel und Länder dieser Erde haben Euch die Dreharbeiten zu „Real Wake“ geführt?

Steffen: Witzige Story. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen in Deutschland anzufangen, um nach und nach die Länder außenrum wie Dänemark, Tschechien, Slowakei und so weiter, abzuklappern. Letztendlich sind wir nicht über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus gekommen, da wir so wahnsinnig viele geile Spots gefunden haben, was eine echte Überraschung für uns war. An den verschiedenen Orten sind wir recht schnell mit den Locals in Kontakt gekommen, die uns mit absoluten Geheimtipps gefüttert haben. So entdeckten wir einen Traum-Spot nach dem anderen.

Woher und wie lange kennt Ihr Euch schon?

Felix: Steffen und Ich kennen uns schon wirklich lange. Ich war etwa 14 Jahre alt als der Steffen das erste Mal für ein Filmshooting ins Allgäu kam. Ich war damals noch der kleine Bub, der gerade mit dem Sport angefangen hat und der Steffen war schon der "Über-Pro". 

Ihr seid also beide professionelle Wakeboarder und in der Szene sehr bekannt. Wer von Euch beiden ballert die heftigeren Dinger raus?

Steffen: Ich hab die besten Jahre bereits hinter mir. Als ich auf meinem Höhepunkt war, hatte das Wakeboarding noch nicht das Level, das es heute hat. Von daher würde ich sagen, dass der Felix auf jeden Fall die „dickeren Dinger“ rausballert.

Felix: Moment, das würde ich gerne noch ergänzen: Ich habe, was das Winching angeht, einfach mehr Erfahrungen gesammelt in den letzten Jahren. Wenn es aber um die traditionellen Airtricks am Cable (Wasserskilift) geht, hat der Steffen klar die Nase vorn. 

Felix, die Stürze in dem Clip sehen wirklich schmerzhaft aus. Bist Du bislang ohne schwere Verletzungen davon gekommen? Und was sind so die häufigsten Standard-Verletzungen in eurem Profi-Sport?

Gute Frage. Da landest Du genau beim Richtigen (Lacht). Ich hatte großes Glück, dass mir beim Video-Dreh zu Real Wake nicht mehr passiert ist. Nach dem Sturz, den man gleich zu Beginn des Clips sieht, konnte ich erst mal eine Woche nicht richtig laufen, weil meine Hüfte extrem geschmerzt hat, nachdem ich mit voller Wucht draufgeknallt bin. Die Standard-Blessuren in unserem Profisport sind Schulter- und Knieverletzungen, weil die aufgrund der Bewegungsabläufe am meisten beansprucht werden. Das ist aber eher ein allgemeines Boardsport-Problemchen, egal ob Skaten, Snowboarden oder Wakeboarden.

Steffen, Du hast Dir sowohl als Rider wie auch als Filmer und Fotograf einen Namen gemacht. Fühlst du dich hinter oder vor der Kamera wohler?

Mittlerweile hinter der Kamera. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich nicht mehr das Bedürfnis habe, meine Grenzen austesten zu müssen, um auf das nächste Level zu kommen. Ich versuche lieber hinter der Kamera einen anderen Fahrer durch meine Kreativität und mein Know-How möglichst gut in Szene zu setzen.

Erlebt das Wakeboarding einen Boom? Wenn ja, warum und wohin geht die Entwicklung?

Steffen: Wakeboarding an der Liftanlage, wie es in Deutschland betrieben wird, boomt auf jeden Fall. Es werden ständig neue Anlagen gebaut, der Sport wächst kontinuierlich und auch der Nachwuchs ist dementsprechend gegeben. Die Events werden immer größer, die etablierten Medien sind deutlich affiner, was Funsport angeht, als noch vor einigen Jahren. Das alles zusammen pusht den Sport auf jeden Fall weiter nach vorne.

Wie gut ist die Infrastruktur aktuell in Deutschland und weltweit?

Steffen: Der Wasserskilift wurde in Deutschland erfunden und hier stehen auch weltweit die meisten Anlagen. Zum Vergleich: Auf etwa 40 Cables in ganz Nordamerika kommen über 80 Liftanlagen alleine in Deutschland. Das Angebot kann sich also sehen lassen. Die in Burgberg ansässige und spezialisierte Firma sesitec realisiert ihre Cable-Projekte auf der ganzen Welt und die Auftragsrate scheint weiterhin zu steigen.

Was waren Eure bisher größten sportlichen Erfolge abgesehen von Gold bei „Real Wake“?

Felix: Der Steffen hat 2011 die Saison als Weltranglisten-Erster beendet. Bei mir geht das mit dem Erfolg eher in die mediale Richtung. Auf dem Cover von einem großen Wakeboard-Magazin zu sein zum Beispiel, fühlt sich immer richtig gut an. Oder das Video-Projekt Wake-Crane im letzten Jahr. Das hat sehr viele Leute erreicht. Aber wie definiert man schon Erfolg?

Wie sehen Eure sportlichen Ziele für die Zukunft aus?

Felix: Die Titelverteidigung bei „Real Wake“ im nächsten Jahr. Wir wollen die ersten sein, denen das gelingt. Ansonsten einfach mit dem Flow gehen, Riden gehen und Spaß haben.

Wie können unsere Leser, die daran interessiert sind, erste Einblicke in den Sport zu bekommen, am besten anfangen? Was haben wir hier bei uns im Allgäu für Möglichkeiten? Wie steigt man in den Sport ein?

Felix: Das ist gar nicht so schwer. Einfach mal beim Wasserskilift am Inselsee in Blaichach vorbeischauen. Dort kann man sich Stunden- Mehrstunden- oder Tageskarten kaufen, wenn man reinschnuppern möchte. Empfehlenswert ist es, sich zunächst auf Wasserski zu stellen, um ein Gefühl und Verständnis für die Liftanlage zu bekommen, bevor man sich auf dem Wakeboard ausprobiert. Boards und Equipment kann man sich ausleihen und dann heißt’s rauf auf’s Brett und ab die Post. 

Wieviel muss man für ein anständiges Equipment hinlegen?

Felix: Wakeboards gibt es in jeder Preisklasse. Mein erstes Set hat lediglich 150 Euro gekostet, also Brett mit Bindung. Nach oben gibt es wie in den meisten Bereichen kaum eine Grenze. Man kann auch 1200 Euro für ein Brett ausgeben. Für 300 Euro bekommt man schon ein wirklich anständiges Set. 

Feiert Ihr Euren Erfolg eigentlich mit Euren Allgäuer Freunden? Man gewinnt schließlich nicht jeden Tag bei den X Games, oder?

Steffen: Auf jeden Fall. Am 4. November werden wir gemeinsam mit dem Brotherhood Clash, bestehend aus den DJs Kidd Salute und Lil J, eine Spezial-Ausgabe veranstalten: die GOLD EDITION. Da werden wir so richtig auf die Kacke hauen. Jeder der Bock hat, ist herzlich eingeladen, mit uns gemeinsam zu feiern. 

Gibt es noch etwas, das Ihr loswerden möchtet?

Felix: Ein ganz großes Danke an Lukas "Lörki" Joas, der uns bei den Dreharbeiten begleitet hat. Er hat nicht nur die Winch bedient und an allen Spots mit angepackt, sondern hat durch seine Motivation und spürbare Lebensenergie unsere Tour zu dem gemacht, was es war und immer noch ist: ein unvergesslicher Road-Trip!