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Clubbing  Sonneck-Revival-Party Interview: Gerry Kantor


Geschrieben von Felix Schleinkofer am 22.10.2017
Bild: Sonneck Revival Party

3. Sonneck Revival Party

24.11.2017 - Gasthof Obermindeltal/Willofs

Zum dritten Mal rufen DJs aus der legendären Alternative-Disco Sonneck nach Willofs, um der Musik dieser Ära zu huldigen. Das Ganze dient neben der Nostalgie und Musikleidenschaft für Rock, Wave, Independent und Künstlern weit abseits vom Mainstream auch einem guten Zweck: Die Eintrittsgelder werden gespendet und kommen dem Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach zugute. Die Sponsoren (Precicut Zerspanungstechnik, Lasergravur Rudi Probst, Stefan Gehrer Estriche und Industrieböden) haben im Vorfeld bereits zusammengelegt und 1000,- € gespendet.

Von 1991 bis 2004 war Gerry Kantor Wirt im Sonneck bei Kleinweiler. Das einstige Café und Tanzlokal entwickelte sich zu einer Diskothek, die bei Nachtschwärmern aus dem weiteren Umkreis sehr beliebt war. Bis zu 470 feier- und musikbegeisterte Besucher ließen zu ausgewähltem Underground- und  Independent-Sound und bei kleineren Konzerten die Fetzen fliegen, bis der Schweiß von der Decke tropfte. Wir haben mit dem ehemaligen Wirt in Erinnerungen an die 90er Jahre geschwelgt.

Wie lange gab es das Sonneck?

Aufgemacht hat es 1986 oder 1987. Es lief anderthalb Jahre ganz gut, dann haben sie es mit Konzerten und so probiert und dann lief’s halt einfach nicht mehr. Ich bin 1991 drauf gekommen und da war’s im Prinzip kein Laden, der angesagt war – mit vielleicht 30 Leuten am Abend. 

Und wie ging es weiter?

Dann haben wir angefangen Stück für Stück eine vernünftige Soundanlage zu installieren und alles aufzubauen. Es lief echt super. Bis ich dann halt 2004 wegen des Streits mit einem Nachbarn im Dorf um eins schließen musste. Ich sag mal, für die Hardcore-Sonneck-Gänger war’s immer noch schön. Man hat sich halt drei Stunden am Wochenende getroffen, hat ein bisschen Bier getrunken, ein bisschen gekickert, ein bisschen gedanced und dann hast halt zu gemacht. War jetzt nicht gerade lukrativ. Das war es davor schon nicht wirklich, aber ich hab ja im gleichen Haus gewohnt, also ging es von den Kosten her. Es war halt von Anfang an eine Herzblut-Geschichte. Aber wenn man nur noch Verlust macht, kann man so etwas einfach nicht aufrecht erhalten.

Im Sonneck trafen die verschiedensten Geschmäcker, Altersklassen und Regionen aufeinander und das hat ja wunderbar funktioniert. Wie würdest Du die Besucher von damals beschreiben?

Wir haben damals auch ein paar Jüngere reingelassen, die unter 18 waren (lacht). Inoffiziell natürlich, aber wir haben schon geguckt, wer das ist und wie sie drauf sind. Klar, hast Du da schon mal ab und zu Ärger bekommen mit dem Ordnungsamt. Das wurde damals auch schon kontrolliert, so ist es nicht. Aber im Prinzip waren das Leute von 18 bis 40, also wir hatten auch schon genug 30-Jährige. Auch ein paar Dörfler, die dann da sitzen, zum Bier trinken und einfach die ganze Mischung interessiert hat. Klar war’s nicht nur, dass wir den unterschiedlichen Sound gespielt haben, sondern das Klientel, das sich bei uns versammelt hat. Du hast die Alternativen gehabt, ein bisschen die Hippies, ein paar von den Metallern, dann die Rocker, die Dark Waver, die Gothic-Typen. Musikalisch hab ich eben eher die Gothic- und Waver-Geschichten gemacht. Du hast da halt einfach Vielfalt gehabt.

Würde ein Laden wie das Sonneck heute noch funktionieren?

Also funktionieren auf seine Art, ja – wenn du es machen könntest. Aber Du musst heute sowas stadtnah machen, in einem vernünftigen, taxi-erreichbaren Kontext. Ich mein, früher ist einfach die Hälfte angetrunken heimgefahren. Das war in den 90ern einfach anders. Es gab viel weniger Kontrollen. Klar gehen die Leute ins Parktheater oder es gibt ja auch dieses Rock im Park, aber es gibt ja nichts Alternatives irgendwo und auch nicht diese Innovation im Sound. Der Sound ist heute zwar allgemein verfügbar. Früher hast Du halt nur ein bisschen mehr suchen müssen sozusagen, aber suchen musst Du eigentlich genauso. Jetzt gibt’s einfach auch mehr. Eben eine schöne Mischung zu machen, wie im Sonneck, weil’s einfach frei für jeden war und sich jeder irgendwo auch musikalisch finden konnte an dem Abend. Man konnte kickern, Billard spielen, tanzen oder einfach mit Leuten quatschen, die man sonst nicht trifft.

New York, Rio, Rosenheim...

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