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Konzerte  Mystic Prophecy Interview


Geschrieben von Jacqueline Hoffmann am 19.02.2018

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land.

Mystic Prophecy

Ihr aktuelles Album "Monuments Uncovered" ist gerade frisch aus dem Presswerk und Mystic Prophecy aus Bad Grönenbach bereiten sich mit Feuereifer auf die Konzert- und Festivalsaison 2018 vor. Wir haben den vielbeschäftigten Sänger und Gründer R.D.Liapakis für ein Interview gewonnen und wollten ihm Details über das erste Coveralbum und das Schönste an Live-Auftritten entlocken und herausfinden, was einen echten Mystic Prophecy-Fan ausmacht.

Nomen est omen. Was verbirgt sich hinter der mystischen Prophezeiung? 

Als ich die Band gegründet habe, stand das Millennium 2000 kurz bevor. Damals spukten die wildesten Geschichten und Verschwörungstheorien um den Globus, zum Beispiel die verschiedensten Auslegungen der Überlieferungen von Nostradamus. Dabei fand ich das Wort "Prophecy" sehr interessant und hab noch "Mystic" davor gesetzt – schon klang das Ganze interessanter. Also auf deutsch "Mystische Prophezeiungen". Das passte in die damalige Zeit und vor allem gab es – und gibt es – noch nicht viele Bands mit dieser Bezeichnung. Mir war es wichtig, der Band einen Namen zu geben, der ahnen lässt, um welche Musik es sich handelt.

Der Name war also schnell gefunden. Erzähl doch mal vom weiteren Entstehungsprozess.

Ich habe die Band 1999 gegründet und dann 2000 gleich unser erstes Album auf dem größten Heavy Metal-Label der Welt veröffentlicht: Nuclear Blast. Die Startformation der Band bestand aus mir, dann Gus G., der später Gitarrist von OZZY geworden ist, Dennis Ekdahl aus Schweden und M. Albrecht. Wir haben die ersten drei Alben in der gleichen Formation aufgenommen und diverse Tourneen gespielt. Danach gab es diverse Wechsel in der Band und Europa-Tourneen als Support für Powerwolf, Stratovarius, Grave Digger, Death Angel, Masterplan und mehr. Die jetzige Formation sieht so aus: R.D.Liapakis (voc.), Markus Pohl (git.), Evan K. (git.), Joey Roxx (b.) und Hanno Kerstan (dr.).

Hand auf's Herz: Wie schwer war es wirklich, einen geeigneten Bandnamen zu finden?

Ganz ehrlich: Es ist verdammt schwer einen guten und geeigneten Mamen für eine Band zu finden, denn er sollte unbedingt im Kopf bleiben und auch die Musik beschreiben, die man spielt. Es fühlt sich immer komisch an, wenn eine Band einen typischen Heavy Metal-Bandnamen trägt, aber dann Punkrock oder Black Metal spielt. Das irritiert die Hörer und macht es noch schwieriger, sich in dem Genre zu etablieren. Man darf auch nicht vergessen, dass ein Bandname und ein Logo wahrscheinlich den Rest Deiner Karriere begleitet und Dein Erkennungsmerkmal ist. Also sollte man sich da schon Gedanken machen, bevor man seiner Band einen Namen und ein Logo verpasst.

War die musikalische Ausrichtung, in welches Genre es genau gehen soll, schnell geklärt?

Ja, es war mir völlig klar, was ich machen wollte: Kräftiger, gitarren-orientierter Heavy Metal.

Was habt Ihr Euch für 2018 vorgenommen?

Wir haben seit Februar unser neues Album auf dem Markt, mit dem wir gleich in der ersten Woche auf Platz 54 der deutschen Charts eingestiegen sind. Unsere Vinyl-Auskopplung war innerhalb einer Woche ausverkauft. Ich muss ganz ehrlich sein: Ich hätte nie gedacht, dass ein Coveralbum für so viel Furore sorgen kann. Damit gehen wir dieses Jahr auch auf Tour und einige Sommerfestivals spielen. Gleichzeitig produzieren wir schon unser neues Album, das nächstes Jahr rauskommen wird. 

Der Heavy Metal-Sektor muss sich nicht gerade Sorgen um Nachwuchs machen. Wie setzt man sich von der Masse an Bands auf dem Markt ab?

Wir sind eine ziemlich tüchtige Band mit reichlich Arbeitseifer und haben in 18 Jahren zehn Longplayer veröffentlicht. Wenn man bedenkt, dass wir alle berufstätig sind und eigene Familien haben, ist das eine ganz beachtliche Leistung. Trotzdem setzen wir auf Qualität statt Quantität: Wir wollen unseren Fans immer das Allerbeste geben. Nur so hat man die Möglichkeit, die Fangemeinschaft auszubauen und sich als Band zu etablieren. Denn wie Du schon sagst, die Konkurrenz schläft nicht und bringt auch gute Sachen auf den Markt. Vor allem ist es wichtig zu touren: Wir haben die letzten Jahre weltweit in dutzenden Ländern gespielt – Europa, USA, Japan. So erreicht man weltweit neue Hörer und zeigt, dass man sich auch ohne Heimvorteil behauptet. Das ist für eine Band überlebenswichtig.

Jeder Auftritt ist eine neue Herausforderung, jedes Konzert hat seine Magie.

Was ist für Dich das Besondere an Live-Auftritten?

Jeder Auftritt ist was Besonders. Für mich geht es darum, dass der Funke zwischen Band und Fan überspringt. Dann hat sich die Arbeit gelohnt für mich, selbst wenn es nur zwei Stunden sind, in denen ich die Menschen aus ihrem Alltagsstress und Gedanken ein bisschen befreie. Ich mag ehrlich gesagt kleinere Clubs, in denen die Band und die Crowd ganz nah beianander sind, lieber. Da spürt man die Magie besonders – viel mehr als bei einem Riesenfestival, wo 30.000 Leute vor der Bühne stehen und 90 % davon nur an den letzten zwei Bands interessiert sind. In Clubs ist es es einfach familiärer und inniger, meiner Meinung nach.

"Monuments Uncovered" erschien Anfang des Jahres. Was habt Ihr Euch dabei gedacht, ein Cover-Album rauszubringen?

Diese Idee hatte ich schon lange, aber dann doch erst Jahre später realisiert. Seit der Zeit, als diese Songs im Radio und TV rauf und runter rotierten, fragte ich mich, wie die Lieder wohl mit einem fetten Heavy-Guitar-Sound klingen würden. Ich habe Stücke ausgewählt, die nicht schon zu Tode gecovert wurden und in ein Heavy-Metal-Gewand mit Mystic Prophecy-Touch gepackt. Jedem einzelnen Song gebührt absoluter Respekt. Wichtig war es, das Charisma des Originals mit unserer Handschrift zu verbinden und den Song entsprechend  umzuwandeln, ohne ihn durch unnötiges Umarrangieren kaputt zu machen. Es ist gar nicht so easy, solche Hammer-Stücke so zu bearbeiten, dass sie in einem Metal-Gewand genauso gut funktionieren wie im Original. Aber je anspruchsvoller ein Song, umso größer die Herausforderung. Das ist es, was Bock macht: sich selbst ans Limit zu pushen. Warum soll man immer den leichten Weg nehmen? No risk, no fun! Ich empfinde die Siebziger, Achtziger und Neunziger einfach als die besten und prägendsten Dekaden für Rock, Pop, Heavy, Blues und Soul. Musik hat für mich keine Grenzen. 

Wenn Du, egal welches, ein Konzert noch einmal erleben könntest, welches wäre das?

Es gibt natürlich viele Sachen, die man nochmals machen würde, aber glaub mir, nach 18 Jahren haben wir sämtliche großen Festivals wie Wacken, Summerbreeze, Bang Your Hand schon gespielt. Jedes einzelne war super und völlig anders. Es gibt kein Konzert, das genauso wie ein anderes ist – jedes hat seinen Zauber. Es liegt daran, wie eine Band gegenüber ihren Fans auftritt. Gibt man alles, dann kommt das Doppelte von den Fans zurück. Jedes Publikum ist anders und verlangt eben seine individuelle Heavy Metal-Heilung (lacht). Wir machen uns vor jedem Auftritt auf eine neue Aufgabe bereit.

Es beginnt und endet mit den Fans

Muss man als Metalband immer möglichst düstere Bandfotos machen?

(lacht) Warum düster? Jeder versucht seine Schokoladenseite zu zeigen und da kommt die ernste Seite einer Person manchmal besser rüber. Wir könnten auch den Kasper machen, aber das ist nicht unser Ding. Schwiegermutter-Fotos machen wir schon mehr als genug im normalen Leben mit unseren Handys (lacht). Bei meinem Führerschein und Reisepass durfte ich auch nicht lachen, obwohl es mir da lieber gewesen wäre.

Gibt es noch etwas, dass Du Euren Fans schon lange sagen wolltest?

Ja: Danke! Unsere Fans sind die besten und loyalsten, die man sich vorstellen können. Ohne ihre Unterstützung all die Jahre würde es uns nicht mehr geben und ich würde nicht hier mit Dir sitzen und ein Interview führen. Eine Band ohne Fans ist nur eine große Null und nichts anderes – das ist Fakt. Man darf nie vergessen, wo man herkommt. Alles beginnt und endet mit den Fans.

Interview: Jacqueline Hoffmann

TOUR DATES + FESTIVALS 2018

25.05.2018 - CH Hallwiler See - Metal Boat
26.05.2018 - GER Bad Friedrichshall - Lemmy's Rock Bar
27.05.2018 - GER Leipzig - Hellraiser
29.05.2018 - GER Bochum - Rockpalast
30.05.2018 - GER Siegburg - Kubana
31.05.2018 - GER Rüsselsheim - Das Rind
01.06.2018 - AT Salzburg - Rockhouse
02.06.2018 - AT Spittal a.d. Drau - Stadtsaal

FESTIVALS 

13.04.2018 - Metal Franconia / Dattelbach 
14.04.2018 - Delta Metal Meeting / Mannheim
28.06.2018 - Rockwolf Open Air / Tann ( Rhön ) 
14.07.2018 - Bang Your Head Festival / Balingen  
04.08.2018 - Schlichtenfest Open Air / Ottobeuren