Sie sind hier

Konzerte  Interview Wiedmann


Geschrieben von Jacqueline Hoffmann am 09.10.2017
Bild: Wiedmann

Wiedmann

Wiedmann startete 2009 gemeinsam mit DJ-Kumpel Flexxen und dem Mixtique Muic Squad sein Debüt in Sachen Rap – damals noch mit anderer Schreibweise im Künstlernamen – und veröffentlichte im September dieses Jahr nach dem Mixtape „Zwischen Lachen Und Weinen“ (2013) und dem ersten Langspieler „Fly“(2015) sein zweites Album "Teil vom Ganzen". Selbstredend wird der Release kräftig gefeiert, gleich mit drei Konzerten in der Region. Wir haben Wiedmann in die Redaktion eingeladen, um ein bisschen über Rapmusik, seine neue Platte und das Gute am Allgäuer-Sein zu plaudern.

Stell Dich bitte mal kurz vor – mit 4 Bars!

Mein Name Wiedmann, also vorprogrammiert, dass du gleich high bist / Dir passt meine Stimme nicht, du sagst das Mixtape ist ein Scheiß / Ist mir egal, mach weiter dein Ding, doch ich mach meins / Bügel oben ohne, aus der Dusche hörst du mich singen – heiß!

Bist Du mehr der Songwriter oder doch der Freestyler?

Mehr Songwriter, aber ich liebe auch das Freestylen.

Konzentrierst Du Dich jetzt mehr auf die Songs vom neuen Album?

Es kommt darauf an, also wir machen live eigentlich auch immer eine Freestyle-Session – das hat sich mit der Zeit so eingebürgert. Aber sonst eigentlich eher im Studio, wenn wir neue Beats haben, um die ein bisschen auszuchecken.

Wie lange brauchst Du im Durchschnitt für einen fertigen Text?

Ganz unterschiedlich. Es gibt Sachen, die schreibe ich an einem Stück und es gibt Sachen, da muss ich lange für die Zeilen überlegen, dann eine wieder wegstreichen und vier Neue schreiben. Aber das kann man pauschal nicht sagen. Es kann auch sein, dass ich nachts um drei heimkomme und mir denke: „Oh man, das muss ich unbedingt aufschreiben“ und dann am nächsten Tag weitermache. Also ich habe da keine „Dienstags um sieben müssen so und so viele Parts geschrieben werden“-Attitüde.

Bist Du dann mit dem zufrieden, was Du aufs Papier bringst?

Ich bin nie ganz zufrieden (lacht). Bei dem ganzen Prozess wird dann so viel wieder verworfen und neu angefangen. Manchmal passt die Aussage, dann ist mir die Technik zu wenig, manchmal ist es genau anders herum. Dann verliert man die Aussage aus den Augen, weil man zu viel auf die Technik schaut, aber es muss halt beides stimmen.

Du hast ja auch Erfahrung im Battle-Bereich, als Host und MC. Beschäftigst Du Dich noch mit Punchlines und Disses?

Ja immer ein bisschen, aber was ich beobachte – zum Beispiel bei Rap am Mittwoch – ist, dass es mir oft viel zu derbe und zu plump ist, zehn Minuten einen Battle über Mütter anzuschauen – das langweilt mich mit der Zeit. Deswegen bin ich da selbst nicht mehr so drin. Inszenierte Battles wie damals mit Eko und Savas finde ich cool, weil sich da jeder die Zeit nimmt, einen Track zu machen und aussagekräftige Lines herauskommen.

Rapper sprießen aus dem Boden wie Löwenzahn. Wie kann man sich von der Konkurrenz absetzen?

(lacht) Ja, immer sein eigenes Ding machen. Ich habe noch nie behauptet, dass ich zu diesen New Schoolern oder Stadt-Rappern gehöre, die jeden Trend mitmachen. Ich habe schon immer versucht, viele Einflüsse aus meiner Vergangenheit einzubauen und so mein Standing zu kriegen, indem ich eigene Mukke mache. Wenn man sich behaupten will, dauert das zwar eine Weile, aber man sollte sich selbst immer treu bleiben. Ich werde zum Beispiel nie aufhören, Gitarren in Hip Hop einzubauen, einfach weil es mir schon immer getaugt hat.

Welchen Typ Mensch möchtest Du mit deinem Sound ansprechen?

Also erst mal muss ich sagen, dass ja alles so anfängt, dass man die Musik für sich selber macht. Und ich freue mich, wenn Leute zu mir kommen und sagen, dass ich ihnen mit dem und dem Song sehr viel gebe. Ich habe in meinen Texten immer eine positive Quintessenz: „Auch wenn's mal scheiße läuft, lass den Kopf nicht hängen“ und ich habe das Gefühl, dass die Leute um mich herum genau diese Einstellung teilen. Deswegen denke ich, dass ich die Menschen, die mir am nächsten kommen, am ehesten ansprechen kann.

War Rapmusik schon immer ein Teil deines Lebens oder hast Du auch andere Musik im Regal stehen?

Ich höre ganz viel Musik, aber ich würde sagen Hip Hop, Rap und Reggae waren für mich schon immer sehr einflussreich und wichtig. Aber ich höre auch viel Rock und Trap – das ist schon mal sehr witzig im Club. Ich finde jeder Moment hat seinen eigenen Song oder sein eigenes Genre, deswegen fahre ich mich da nicht so fest.

Welcher war der erste Song, den Du auswendig konntest und wie alt warst Du?

(lacht) Das war „Loose Yourself“ von Eminem. Das war so 2001, da war ich noch sehr jung, pubertierend, rebellisch und dann kam Eminem und hat mich gecatcht mit dem Song. (Pause) Nein! Das wäre gelogen! Davor war sicher noch ein Song von Tic Tac Toe – ist zwar peinlich, aber die haben mich auch ein bisschen zum Hip Hop gebracht.

Du hast ja im September Dein neues Album rausgebracht. Bei welchem Song auf dem aktuellen Album ist Dir das Recorden am schwersten gefallen?

Gefühlstechnisch auf jeden Fall „Eine Partie Schach“, ein Track über meinen Vater. Da ging es mir beim Aufnehmen gar nicht so gut und ich habe dann noch mit dem Chef vom Label geredet und gemeint, dass ich den Song gar nicht auf dem Album haben möchte, weil der zu persönlich ist. Er meinte dann aber: „Nein, der ist so fett, der muss auf jeden Fall mit drauf. Steh deinen Mann, du hast ihn geschrieben, du willst es sagen, also tu's einfach.“ Jetzt im Nachhinein war es die beste Entscheidung, ihn drauf zu lassen.

Aus Deinen Texten hört man heraus, dass Dir Deine Wurzeln wichtig sind. Was bedeutet es für Dich, Allgäuer zu sein?

Ganz viel: Ich bin schon den ganzen Sommer mit Losamol unterwegs und da habe ich wieder festgestellt, wie cool es ist, den ganzen Tag Dialekt zu sprechen und irgendwo hinzukommen, wo einen keine Sau versteht. Wo man einfach vom Mars kommt, wenn man Lederhose trägt und um zwei schon das erste Bier aufmacht. Für mich ist Allgäuer-Sein verdammt viel wert – auch was die Natur angeht. Klar gibt es die Grantler, aber das gehört dazu. Wir haben keine oberflächliche Nettigkeit hier im Allgäu – wenn dich einer mag, dann dauert es zwar, bis er ehrlich nett zu dir ist, aber es wird nie dieses rein Oberflächliche geben.

Was machst du, wenn Du nicht gerade am Rappen bist?

(lacht) Schauen, dass ich ein bisschen Geld auf die Seite bekomme. Also ich habe auf der BOS mein Abitur gemacht aber keinen passenden Studiengang für mich gefunden. Hab mich dann entschlossen, nur noch mit Mukke zu arbeiten. Gerade mache ich das Bürozeug für Losamol, kümmere mich um das Merchandise und war eben den ganzen Sommer mit den Jungs auf Tour. Ansonsten schaue ich, dass ich mich der Musik widme und mir was aufbaue.

Wie sehen dann Deine Pläne für die nächste Zeit aus?

Am coolsten wäre es, im Sommer auf vielen Festivals spielen und halt über die Runden zu kommen. Ich mache das jetzt schon seit 2009 mit Flexxen zusammen und unser Ziel war es immer, nicht unbedingt reich zu werden, aber von der Musik, die wir machen, leben zu können – so, dass wir unsere Miete und Rechnungen bezahlen und uns einmal in der Woche einen Kasten Bier leisten können. Alles weitere ist erst mal nebensächlich.

Im November stehen ja ein paar Konzerte an, was kommt da auf uns zu?

Also live auf jeden Fall ein ganz neues Level, weil wir unseren Sound auf jeden Fall mehr durchdacht und uns viel mehr Zeit gelassen haben. Um alles reifen zu lassen und viel mehr zu proben. Wir haben eine Background-Sängerin dabei – die Samantha – und das hebt alles auch nochmal auf ein anderes Niveau. Wir haben DJ TwentyOne dabei, der eine Mords-Afterparty bringen wird. Wir haben coole Support-Bands dabei und ich denke, dass da wirklich für jeden was dabei ist, der musikbegeistert ist.

Danke für Deine Zeit. Hast Du noch etwas, dass Du loswerden möchtest?

Kauft alle das Album, unterstützt Musiker und kommt auf die Konzerte!

Album-Review:

Wiedmann - Teil vom Ganzen

Der Rapper aus dem Allgäu verarbeitet in seinem neuen Album textlich seinen Alltag, sowie Stationen der Jugend und Kindheit. Zusammen mit seinen Produzenten H:AM und Flexxen gelang es ihm, viele Styles zu vereinen und eine Antwort auf die ihm viel zu langweilige Musiklandschaft zu liefern. Auch Musiker aus seinem Umfeld sind mit von der Partie und steuern weitere Ohrwürmer zum Album bei. Im positiven und negativen Sinne sieht er sich selbst als Teil des ganzen Weltgeschehens, was ihn auf den Titel „Teil vom Ganzen“ brachte. Das Ergebnis ist gut hörbar und klar mit Blick auf den professionellen Markt ausgerichtet.

Verlosung:

Wir verlosen 2 Fanpackages, bestehend aus je einem signierten Album "Teil vom Ganzen" und je 2 Gästelistenplätzen für eins der drei Konzerte im November. Stichwort: "Wiedmann" und die Stadt Eurer Wahl.

Termine:

11.11.2017 - Künstlerhaus/Kempten
17.11.2017 - Hirsch Inn/Pfronten
18.11.2017 - JuZe/Kaufbeuren

New York, Rio, Rosenheim...

Gib eine Stadt bzw. einen Ort ein, um entsprechende Artikel danach zu filtern: