Live In Ausgabe Februar 2020


das neue Jahrzehnt ist erst einen knappen Monat alt, da wird schon vom Revival der „Goldenen Zwanziger“ gesprochen. Der Vergleich kommt arg verfrüht und man sollte der anbrechenden Dekade doch wohl Zeit lassen, sich entfalten zu können, bevor man entsprechende Parallelen zieht. Das wäre fair.

Obwohl es natürlich offenkundige Gemeinsamkeiten gibt. Da wäre die durch turbulente Jahre verunsicherte Bevölkerung, die sich in politischen und in menschlichen Belangen Stück für Stück Richtung Radikalität orientiert. Viele Zeitgenossen ignorieren gesellschaftliche Spaltung und globale Gefahren. Und reagieren darauf, indem sie sich Hedonismus, Oberflächlichkeiten und der Ablenkung durch ausschweifende Feierei hingeben. Man könnte es schon mit praktizierter Dekadenz betiteln. Denn ganz so goldig waren die Zeiten damals wie heute gar nicht für alle.

Aber lassen wir es doch erst einmal auf uns zukommen, geben wir der Zukunft eine Chance und gestalten sie gemeinsam. Bevor wir uns von der Vergangenheit und der These der sich wiederholenden Geschichte blenden lassen, können wir jetzt die Weichen stellen, um nicht dieselben Fehler zu machen. Und da müssen wir gar nicht erst 100 Jahre zurückschauen, um fündig zu werden. Das vergangene Jahrzehnt war geprägt von irrationalen Entscheidungen und populistisch argumentierenden Entscheidern. Die „gefühlte Wahrheit“ bekam den Vorzug vor objektiver Betrachtung und gesundem Menschenverstand. „Fake News“ waren in aller Munde, während anerkannte Wissenschaftler um Beachtung und Gehör ringen mussten.

Wenn wir uns von nun an stattdessen leiten lassen von Zuversicht, Bedachtsamkeit und Vernunft, können wir uns den kommenden Aufgaben selbstbewusst stellen. Ob es eine rosige Zukunft wird oder gar ein „goldenes Zeitalter“, müssen wir abwarten. In jedem Fall aber ist es unsere Zeit, unsere Epoche. Und die Verantwortung dafür, wie spätere Generationen von ihr sprechen werden, tragen allein wir.

Bleibt clever, schwungvoll und unerschrocken

Euer LIVE IN-Team

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